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Die besten Ideen für andere!

Und die eigene Marke?

Die besten Ideen für andere!
Foto: iStock.com/LumiNola

Für Kundinnen und Kunden entstehen Kampagnen, Websites und starke Markenauftritte. Die eigene Kommunikation? Kommt dran, wenn Zeit ist. Warum Eigenwerbung in Kreativbetrieben so oft liegen bleibt und wie Sie das ändern können.

Was Agenturen am besten können? Andere gut aussehen lassen. Aber Eigenwerbung beginnt meistens erst morgen. Die Website könnte längst ein Update vertragen, auf Social Media war auch schon einmal mehr los – und die richtig guten Projekte der vergangenen Monate? Warten noch immer darauf, als Cases aufbereitet zu werden. Dabei mangelt es Agenturen und Kreativdienstleisterinnen und -dienstleistern weder an Ideen noch am nötigen Know-how. Im Gegenteil: Was für Kundinnen und Kunden selbstverständlich ist – Strategie, Positionierung, Contentplanung und konsequente Umsetzung –, wird beim eigenen Auftritt erstaunlich schnell zur Nebensache.

Die Kundschaft geht vor
Der Grund liegt auf der Hand: Kundenprojekte haben Deadlines, Budgets und klare Verantwortlichkeiten. Eigenwerbung dagegen lässt sich wunderbar verschieben. Heute ist ein Pitch wichtiger, morgen muss eine Kampagne fertig werden und übermorgen wartet bereits das nächste Projekt. Die eigene Kommunikation landet dort, wo sie niemandem wehtut: ganz unten auf der To-do-Liste. Das funktioniert – zumindest, solange die Auftragsbücher voll sind. Problematisch wird es, wenn neue Kundinnen und Kunden gewonnen werden sollen. Dann zeigt sich plötzlich, dass die letzten Referenzen auf der Website einige Jahre alt sind oder der eigene Auftritt längst nicht mehr widerspiegelt, was die Agentur heute kann. Aber Aktualität zählt heute mehr denn je: Wer seine Website und Inhalte regelmäßig pflegt, liefert nicht nur klassischen Suchmaschinen relevante Signale. Auch für die Sichtbarkeit in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen spielen aktuelle, interessante und klar aufbereitete Inhalte eine wichtige Rolle.

Bei anderen klar, bei sich selbst schwierig
Hinzu kommt ein zweites Phänomen: Die eigene Positionierung ist oft schwieriger als jene der Kundinnen und Kunden. Wer täglich mit dem eigenen Unternehmen beschäftigt ist, sieht vieles als selbstverständlich an. Leistungen, Arbeitsweise oder besondere Kompetenzen, die von außen durchaus bemerkenswert sind, erscheinen intern kaum erwähnenswert. Und dann sind da noch die vielen Meinungen. Gerade in Kreativteams kann die eigene Website schnell zum ambitioniertesten Projekt des Jahres werden. Jede und jeder hat Ideen, jede Entscheidung wird hinterfragt und der Anspruch ist besonders hoch. Schließlich soll der eigene Auftritt zeigen, was man kann. Perfektionismus wird dabei schnell zur Bremse. Die neue Website geht erst online, wenn wirklich alles perfekt ist. Der Case wird erst veröffentlicht, wenn die Bilder optimal aufbereitet sind. Und der Social-Media-Auftritt braucht natürlich zuerst noch ein völlig neues Konzept. So wird aus „Wir sollten endlich …“ eher „Das machen wir nächstes Jahr“.

So wird aus „Wir sollten endlich …“ eher „Das machen wir nächstes Jahr“.

Sichtwechsel: Eigenwerbung ist Kundenarbeit, nur in eigener Sache
Der Ausweg beginnt mit einem Perspektivenwechsel: Die eigene Agentur sollte wie eine Kundin oder ein Kunde behandelt werden. Mit klaren Zielen, Verantwortlichkeiten, Zeitbudgets und Deadlines. Wer Eigenwerbung ausschließlich dann macht, wenn gerade nichts anderes zu tun ist, wird kaum kontinuierlich sichtbar bleiben. Besser sind kleine, realistische Routinen: Referenzen direkt nach Projektabschluss sichern, regelmäßig Cases aufbereiten, fixe Termine für die eigene Kommunikation einplanen und eine Person bestimmen, bei der die Fäden zusammenlaufen. Dabei muss nicht ständig eine große Eigenkampagne entstehen. Ein aktueller Case, ein spannender Blick hinter die Kulissen oder eine klare Meinung zu einem Branchenthema können mehr über die Kompetenz einer Agentur erzählen als wochenlang geplante Selbstdarstellung auf allen möglichen Kanälen.

Eigenwerbung? Vielleicht der Weg zu einem Goldenen Hahn!

Zeigen, was ohnehin da ist
Gerade für Kreativbetriebe steckt ein großer Teil des Eigenmarketings bereits im Tagesgeschäft. Spannende Projekte, besondere Lösungen, Learnings, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder ungewöhnliche Kundenfragen liefern laufend Stoff für die eigene Kommunikation. Die eigentliche Aufgabe besteht deshalb häufig gar nicht darin, zusätzlichen Content zu produzieren. Viel wichtiger ist es, das Vorhandene zu erkennen, festzuhalten und konsequent zu nutzen. Auch bei Referenzen lohnt sich eine einfache Routine: Was war die Aufgabe? Was war die Idee? Wie wurde sie umgesetzt? Und was hat sie bewirkt? Wer diese Informationen unmittelbar nach Projektabschluss sammelt, erspart sich Monate später die mühsame Suche nach Zahlen, Bildern und Details.

Wer aktuell bleibt,  bleibt sichtbar – auch in KI-Systemen.

Nicht warten, bis Eigenwerbung dringend angesagt ist
Eigenmarketing entfaltet seine Wirkung nicht auf Knopfdruck. Sichtbarkeit, Bekanntheit und eine klare Positionierung entstehen mit der Zeit. Genau deshalb ist der beste Zeitpunkt für Eigenwerbung nicht erst dann, wenn Aufträge fehlen. Wer regelmäßig zeigt, woran gearbeitet wird, wofür die Agentur steht und was sie besonders gut kann, baut kontinuierlich an der eigenen Marke. Das erleichtert nicht nur die Neukundengewinnung. Ein klarer Auftritt hilft auch beim Recruiting, bei Kooperationen und dabei, für die richtigen Projekte wahrgenommen zu werden. Der Schuster muss also keineswegs die schlechtesten Schuhe tragen. Er muss sich nur hin und wieder selbst auf seine Kundenliste setzen. Und wer dabei besonders kreativ wird, kann mit seiner Eigenwerbung beim Goldenen Hahn in der gleichnamigen Kategorie ins Rennen um Gold gehen. Die besten Beispiele zeigen, wie wirkungsvoll Werbung in eigener Sache sein kann.