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Die besten internationalen Cases aus der Werbung

Cannes kommt von Können

Die besten internationalen Cases aus der Werbung
Foto: Joanna Pianka

Marco Lumdsen und Richard Weiretmayr bei Werbemonitor LIVE

Bei Werbemonitor LIVE warfen Marco Lumsden und Richard Weiretmayr einen Blick auf die Highlights der Cannes Lions, aktuelle Trends und Jury-Entscheidungen, von OOH bis Online, von B2C bis B2B. Und eines wurde dabei sehr schnell klar: Werbung darf wieder lustig sein. Mehr noch, Humor entwickelt sich zunehmend zur härtesten Währung der Kreativbranche.

Während sich viele Marken in den letzten Jahren mit maximaler Vorsicht bewegten, zeigt sich international derzeit eine deutliche Gegenbewegung. Die erfolgreichsten Kampagnen der Welt sind wieder mutiger, überraschender und vor allem unterhaltsamer geworden. Dabei sind sie aber nicht platt, sondern intelligent und charmant. 

„Humor ist ein echter und rein menschlicher Wettbewerbsvorteil“, erklärte Marco Lumsden während des Vortrags. Gerade in einer Zeit, in der KI immer stärker in kreative Prozesse eindringt, werde sichtbar, wo Maschinen weiterhin an ihre Grenzen stoßen. Timing, Ironie, kulturelle Zwischentöne oder absurde Pointen seien nach wie vor zutiefst menschliche Fähigkeiten. Genau deshalb ist Humor aktuell weit mehr als nur Unterhaltung. Er ist Differenzierungsmerkmal, Aufmerksamkeitstreiber und emotionaler Türöffner zugleich. Dass Marken damit zunehmend erfolgreich sind, zeigten die präsentierten Cases eindrucksvoll.

Erfolgreiche Kreativität entsteht nicht durch maximale Sicherheit, sondern durch kontrollierten Mut.

Beispiele, die Aufsehen erregten
Tide sorgte mit „Collateral Stain Stories“ für Aufsehen, indem Flecken auf Kleidung plötzlich zu Auslösern absurder Geschichten wurden. Duolingo inszenierte mit „Death of Duo“ den vermeintlichen Tod seines ikonischen Maskottchens und verwandelte die Social-Media-Welt kurzfristig in kollektive Trauerarbeit. Uber Eats schickte Schauspieler Brian Cox in „Brian Cox goes to College“ zurück an die Uni und persiflierte genüsslich das amerikanische College-Leben. 

Ebenso gefeiert wurden „Claustrobars“ von Stella Artois, wo enge Barsituationen plötzlich zum emotionalen Gemeinschaftserlebnis wurden, oder „Fictional Insurance“ von Seguro del Estado, das absurde Versicherungsfälle aus Filmen und Serien zum Ausgangspunkt einer hoch unterhaltsamen Kampagne machte. Auch IKEA präsentierte mit „u up?“, wie stark einfache Ideen funktionieren können. Mitten in der Nacht erhielten Userinnen und User eine Nachricht, die eher wie eine spontane Dating-App-Anfrage wirkte als klassische Werbung. Angel Soft wiederum spendierte den Zuseherinnen und Zusehern während der Superbowl eine Toilettenpause. Das Ziel des Spots war es also, ihn nicht zu sehen! Ein ziemliches Risiko, das sich aber bezahlt machte. Und SBS entwickelte mit „The Ad That Can Only Be Seen On SBS“ eine Kampagne, die ihre mediale Umgebung selbst zum kreativen Konzept machte.

Zwischen mutig und  unangenehm liegt oft nur ein schmaler Grat.

Dem Publikum wieder mehr zutrauen
Was all diese Arbeiten verbindet, ist weniger ein gemeinsamer Stil als eine gemeinsame Haltung: Sie trauen dem Publikum wieder mehr zu. Sie wollen nicht nur informieren oder moralisch korrekt sein, sondern Menschen unterhalten, überraschen und emotional involvieren. Doch genau darin liegt auch das Risiko. „Humor ist unglaublich wirkungsvoll, aber eben nie komplett berechenbar“, befand Richard Weiretmayr. Marken müssten heute stärker denn je verstehen, welches Risiko sie eingehen können und welches nicht. Denn zwischen mutig und unangenehm liegt oft nur ein schmaler Grat.

Das Team der Agentur Lumsden & Friends sieht sich deshalb nicht nur als Kreativagentur, sondern zunehmend auch als eine Art „Risikomanager“ für Markenkommunikation. Die Aufgabe bestehe nicht darin, jede Kante glattzubügeln, sondern einzuschätzen, welche Reibung produktiv ist und welche gefährlich werden könnte. Gerade Humor brauche Erfahrung, Fingerspitzengefühl und ein tiefes Verständnis für gesellschaftliche Stimmungen. Was vor wenigen Jahren noch problemlos funktioniert hat, könnte heute bereits kritisch wahrgenommen werden und umgekehrt.

Humor braucht  Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Erfolgreiche Kreativität entstehe daher nicht durch maximale Sicherheit, sondern durch kontrollierten Mut. Dass sich viele internationale Marken aktuell wieder mehr trauen, ist auch ein Zeichen dafür, dass reine Funktionalität und generische KI-Ästhetik zunehmend austauschbar werden. Aufmerksamkeit entsteht dort, wo Marken Charakter und Persönlichkeit zeigen. Oder, wie es Marco Lumsden zusammenfasste: „KI kann mittlerweile sehr viel. Aber sie ist noch immer selten wirklich lustig. Und genau darin liegt aktuell eine riesige Chance für menschliche Kreativität.“ Der Vortrag zeigte damit nicht nur die wichtigsten internationalen Kreativtrends, sondern machte zudem deutlich, wohin sich die Branche bewegt: weg von austauschbarer Perfektion und hin zu Kommunikation mit Mut und Humor.